Tattoogeschichte
Tattoos sind seit ewigen Zeiten mit der Kultur und dem Leben des Menschen eng verwoben. Selbst den Steinzeitmenschen diente das Tattoo schon als Mittel, um sich zu verschönern, Feinde zu erschrecken oder traditionelle Riten und Bräuche umzusetzen. Das Besondere an Tattoos ist, dass sie nicht nur ein Leben lang halten, sondern auch noch nach tausenden von Jahren die Körper derer schmücken, die von Forschern in Eis- und Gletschergegenden gefunden werden. Das wohl berühmteste Beispiel hierfür ist der „Ötzi“, dessen über 5300 Jahre alte Tattoo-Verzierungen noch heute bestens erhalten sind.
Die Herstellung von Tattoos hat sich erst seit der Erfindung von Tinte stark verändert. Früher wurde für ein Tattoo die Haut mit Schnitten versehen und die Wunden dann mit Holzkohle, farbiger Erde oder Pflanzenteile gefüllt. Unklar bleibt hingegen, wo sich das Tattoo schwerpunktmäßig entwickelt hat. Immer wieder wird von Wissenschaftlern versucht, das Tattoo vom Ursprung her einem geographischen Gebiet zuzuordnen. Die ältesten Belege für Tattoos stammen angeblich aus unserem europäischen Raum. Doch gibt es eine ganze Bandbreite von Theorien zur geografischen Verbreitung von Tattoos; am wahrscheinlichsten jedoch ist, dass das Tattoo sich gleichzeitig bei vielen Völkern dieser Erde eine Art Tattoo-Kunst entwickelt hat.
Die Verbreitung des Tätowierens
Grundsätzlich kann man sagen, dass die Kunst des Tätowierens praktisch allen Völkern dieser Erde bekannt war oder ist. Die Entwicklung der Tätowierkunst hängt eng zusammen mit dem wirtschaftlichen Entwicklungsstand und dem Bildungsniveau der jeweiligen Kultur und zählt heutzutage, als Folge der Zivilisierwut des weissen Mannes, leider oft schon zur Vergangenheit. Jedoch selbst zu Zeiten von Kapitän Cook war der Brauch des Tätowierens in manchen Regionen dieser Erde schon im Begriff zu verschwinden. Das Tätowieren war zwar weit verbreitet, bei vielen Kulturen, wie z.B. den Hawaïanern, jedoch nur schwach entwickelt und offenbar nicht von zentraler kultureller Bedeutung, so dass es nicht weiter gepflegt wurde und schliesslich ganz in Vergessenheit geriet. Wo auch Ethnologen ihren Fuss hingesetzt haben, überall fanden sie Bräuche, die man zusammenfassend unter den Begriff des Tätowierens nehmen konnte: Im hohen Norden bei den Eskimos, in der Kalahariwüste, in Nord- und Südamerika, in Asien, sowie in Ozeanien, wo die Tätowierkunst besonders hoch entwickelt wurde. Als eine Art Faustregel kann man davon ausgehen, dass Tätowierungen vornehmlich bei hellhäutigeren Völkern anzutreffen sind. So kennt man zwar in Australien und Afrika diese Art des Körperschmuckes auch, gibt jedoch den Ziernarben aufgrund der dunklen Hautfarbe den Vorzug, wobei man diese z.T. auch mit Tätowierungen kombiniert. Um die Verbreitung des Tätowierens ein wenig anschaulicher zu gestalten, begeben wir uns auf einen kleinen Rundgang um die Erde:
Wie schon angetönt, finden wir in Polynesien den ausgeprägtesten Gebrauch von Tätowierungen. Als typisches Beispiel wird immer wieder die Insel Samoa aufgeführt, dazu noch eine kleine Anekdote: K. F. Behrens, der das Buch "Reise durch die Südländer und um die Welt”, Frankfurt und Leipzig 1757, geschrieben hat, hielt die gleichmässigen und formvollendeten Beintätowierungen der Samoaner für feine Brokathöschen (Was, nur so nebenbei, die westliche Sichtweise von sogenannten Forschern wunderbar illustriert.). Zahlreiche Südsee-Inseln, darunter auch Tahiti, von wo Cook das Wort "tatau” heimgebracht hat, kennen das Einstechen von Farbe unter die Haut, wobei schon zu Beginn des 19.Jahrhunderts ein starker Zerfall dieses Brauches zu verzeichnen war.
Auf den Inseln rund um Australien, wie Neukaledonien, Neuguinea und den Hebriden sind Tätowierungen wohl bekannt, die gewaltigste Ausdehnung dieser Sitte finden wir jedoch bei den Maoris auf Neuseeland, deren prächtige Gesichtstätowierungen den meisten Leuten ein Begriff sind. Weiter geht unser Rundgang über Indonesien, Indochina, China, Richtung Japan. In diesen Regionen scheinen Tätowierungen nie eine sehr grosse Rolle gespielt zu haben, vereinzelte Vorkommen gab es auf Borneo, Sumatra und den Philippinen. In China wurden Tätowierungen nie zu Verschönerungszwecken angewendet, bloss auf der Insel Hainan konnte dieser Brauch Fuss fassen. Zu Zeiten von Cattani übten noch Tätowierer in Laos und Birma ihr Handwerk mit sehr viel Kunst aus und waren die Schan am ganzen Körper tätowiert. Am zahlreichsten findet man Material über Irezumi, die japanische Tätowierkunst. Ich wage zu behaupten, dass kein Volk dieser Erde die "Stichelkunst” zu einer solchen Vollendung gebracht hat wie die Japaner. Über die Kurilen und Kamtschatka zieht sich eine ”bekannte Tatauierstrasse”, wie Cattani es nennt, nach den Aleuten. Bei allen Völker des Nordens, den Inuit, den Grönländern, den Tungusen, Tschuktschen etc. sind Tätowierungen bekannt, und als Besonderheit schmücken sie sich mit Nähtätowierungen. Die Indianer Nord- und Südamerikas trugen zu Zeiten der Eroberer so etwas wie eintätowierte Stammesabzeichen, grundsätzlich spielte aber die nicht-permanente Körperbemalung eine weitaus wichtigere Rolle. Im Nahen Osten, Arabien und Europa haben Tätowierungen keine fortlaufende Tradition, was wahrscheinlich grösstenteils auf die beiden vorherrschenden Religionen zu schieben ist, die ihren Jüngern untersagten, sich mit solchen "Teufelszeichen” zu schmücken.